Die Anfänge in Düsseldorf
150 Jahre Dominikaner in Düsseldorf


Vorgeschichte
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts versuchte der Dominikanerorden (lateinisch: Ordo Praedicatorum, Predigerorden) in Deutschland wieder Fuß zu fassen, nachdem in der Säkularisation nach und nach alle Klöster aufgehoben und die Ordensmitglieder vertrieben worden waren. Nur noch wenig erinnerte an die reiche Tradition der alten deutschen Ordensprovinz Teutonia, die noch zu Lebzeiten des heiligen Dominikus gegründet worden war und so bedeutende Gelehrte wie Albertus Magnus und Meister Eckhart hervorgebracht hatte. Das älteste deutsche Kloster, der 1221 gegründete Dominikanerkonvent Heilig Kreuz in Köln, war beispielsweise 1804 samt der gotischen Klosterkirche abgerissen worden.

Die Wiedergründungsversuche der deutschen Dominikanerprovinz erfolgten zunächst von Holland aus. Ein kleines Haus in Materborn bei Kleve erwies sich jedoch schnell als ungeeignet. Doch wo sollte man sich dann niederlassen? Diese Frage beschäftigte auch den aus einer deutschen Adelsfamilie stammenden Graf Ceslaus von Robiano (1829-1902), der 1856 in Frankreich in den Orden eingetreten war, um die Dominikaner wieder nach Deutschland zu holen. Ein Verwandter, der im Aachener Exil lebende Bischof von Luxemburg, Johann Theodor Laurent, schlug daraufhin Düsseldorf als Standort vor: "Ich glaube nicht, dass unter den angesehensten Städten eine Stadt günstigere Bedingungen für eine Gründung der Söhne des hl. Dominikus zu bieten hat als Düsseldorf. ... Die Bevölkerung ist dort sehr rege und geistig sehr aufgeweckt... Aber aus dem gleichen Grunde ist es auch leicht, das Volk zu verführen. Auch das sittliche Elend ist dort sehr groß. Es gibt also dort so etwas wie ein braches Land, an dem sich der Eifer eines tätigen Ordens bewähren könnte", schrieb Bischof Laurent am 14. Oktober 1858 an Pater Ceslaus.

Die Idee, nach Düsseldorf zu gehen, wurde auch von Pater Dominikus Lentz OP (1820-1883) in Wien unterstützt, der von Rom den Auftrag bekommen hatte, den Orden in Deutschland neu zu beleben. Im Juli 1859 reisten Robiano und Lentz gemeinsam nach Düsseldorf, um sich die Stadt anzusehen und nach einem möglichen Standort zu suchen. Im Zuge der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung rapide an, und die drei bestehenden Pfarreien St. Lambertus, St. Andreas und St. Maximilian in der Altstadt sowie ein kleines Franziskanerkloster reichten für die seelsorgliche Versorgung inzwischen nicht mehr aus. Schnell fand man für das geplante Kloster ein geeignetes Grundstück in dem damaligen Neubaugebiet der Friedrichstadt. Nachdem der Düsseldorfer Klerus und 100 angesehene Bürger der Stadt eine Petition unterzeichnet hatten, gab auch der Kölner Erzbischof seine Zustimmung zum Bau eines Klosters.

Im folgenden Jahr war es dann endlich soweit, und die Dominikaner gründeten am 18. Januar 1860 ihre erste Niederlassung in Düsseldorf, die dem Schutz des heiligen Josef unterstellt wurde. Das Düsseldorfer Kloster steht daher bis heute unter dem Patronat des heiligen Josef. Die Patres wohnten zunächst in einem Haus in der Friedrichstraße 44 und richteten dort auch eine Hauskapelle ein, die von den Anwohnern zum Gottesdienst besucht werden konnte und bereits in den ersten Monaten vergrößert wurde. Erster Oberer des Düsseldorfer Klosters wurde Pater Dominikus Lentz OP.

Schwierigkeiten der Anfangszeit
Die ersten Monate und Jahre gestalteten sich schwierig. Der Ordensmeister in Rom, dem jede Neugründung unterstand, solange es noch keine eigenständige Provinz gab, wollte das Düsseldorfer Kloster zu einem Vorzeigekonvent für den gesamten Orden machen und forderte von den Düsseldorfer Konventualen strikte Askese. Nachtchor und unzureichendes Essen ließen sich jedoch kaum mit der aufreibenden Arbeit in der Seelsorge vereinbaren. Viele Patres wurden aus Erschöpfung krank und starben bereits in jungen Jahren. Auch der Ordensnachwuchs blieb zunächst aus. Von den 21 Männern, die zwischen 1860-75 in das Düsseldorfer Kloster eintraten, weil sie sich zum Priester berufen fühlten, blieben nur 8. Finanzielle Schwierigkeiten kamen hinzu. Pater Ceslaus von Robiano OP, der ursprünglich Geld für den Bau des Düsseldorfer Klosters sammeln sollte, hatte für sich ein neues Projekt entdeckt; er träumte von einer Gründung in Berlin und war inzwischen dort, um in Moabit, einem seelsorglich völlig unterversorgten Arbeiterviertel der Stadt, ein Kloster aufzubauen.

So konnte erst im März 1866 in Düsseldorf mit dem Bau von Kloster und Kirche begonnen werden, nachdem August Graf von Spee zu Heltorf für den Orden ein Grundstück an der Ecke Talstraße/Herzogstraße erworben hatte. Dass Graf Spee zunächst Eigentümer des Grundstücks blieb, sollte sich in der Zeit des Kulturkampfs noch als Segen erweisen; denn mit dem Klostergesetz von 1875 wurden alle Orden in Preußen verboten, die sich nicht ausschließlich der Krankenpflege widmeten. Die Dominikaner mußten daher im August 1875 die Stadt verlassen und durften erst im Dezember 1887 wieder nach Düsseldorf zurückkehren. Graf Spee erstritt vor dem Leipziger Reichsgericht sein Eigentumsrecht und konnte so das Klostergelände vor Zugriffen des Staates schützen.

Die Bauarbeiten kamen in diesen Jahren völlig zum Erliegen und konnten erst nach der Rückkehr der Dominikaner wieder aufgenommen werden. Klostergebäude und Kirche wurden von Anfang an groß geplant, da der Düsseldorfer Konvent zugleich als Ausbildungshaus für die Novizen und Studenten der künftigen deutschen Ordensprovinz dienen sollte. Zunächst hatte man bei dem renommierten Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner angefragt. Als sich dessen Pläne aber als zu kostspielig und kaum realisierbar erwiesen, beauftragte Pater Dominikus Lentz OP den ihm aus Wien bekannten Architekten und Dombaumeister Friedrich von Schmidt. Dessen Pläne sahen - ganz im Stil der Zeit - eine großzügige Klosteranlage mit einer neugotischen Kirche nach dem Vorbild des Altenberger Doms vor, für deren Realisierung jedoch die nötigen finanziellen Mittel fehlten. 1869 konnte immerhin der Chor der Kirche eingesegnet und ein Teil des Klostergebäudes bezogen werden. Nach der Aufhebung des Klosters 1875 ruhten die Bauarbeiten erneut, bis die Dominikaner im Dezember 1887 nach Düsseldorf zurückkehrten. Fortan übernahm Caspar Clemens Pickel, der zahlreiche Düsseldorfer Kirchen wie St. Peter in der Friedrichstadt und St. Apollinaris in Oberbilk schuf, die Bauleitung. Am 28. Oktober 1890 konnte die Klosterkirche endlich durch den Kölner Erzbischof Philipp Krementz eingeweiht werden.

Ausbildungs- und Studienhaus
Unter Pickels Leitung wurde in den folgenden Jahren auch das Düsseldorfer Kloster weiter ausgebaut, diente es doch seit 1888 erneut als Noviziatshaus. Im September 1894 wurde auch das Ordensstudium, das während des Kulturkampfs im niederländischen Venlo untergekommen war, wieder nach Düsseldorf verlegt. Hatten in der Anfangszeit vorwiegend italienische Mitbrüder in Düsseldorf unterrichtet, die des Deutschen nicht mächtig waren - die Vorlesungen wurden damals ja in lateinischer Sprache gehalten! - und die in Düsseldorf deswegen nie wirklich heimisch geworden waren, wurde nun ein kleines Kollegium deutscher Ordensdozenten gebildet, die Vorlesungen in Philosophie und Theologie hielten, um die Studenten des Ordens auf die Priesterweihe vorzubereiten. Am 13. Dezember 1897 erfolgte die Erhebung des Düsseldorfer Studienhauses zum studium generale, d. h. zum vollberechtigten Generalstudium innerhalb des Ordens. Erster Studienregens wurde der in Düsseldorf geborene Pater Joseph Keller OP (1852-1935).

Wie ein 1908 gedruckter Bibliothekskatalog anschaulich belegt, wurde nach und nach eine umfangreiche Konventsbibliothek für die in Düsseldorf wissenschaftlich wie pastoral tätigen Mitbrüder aufgebaut. Sie umfaßt heute rund 50.000 Bände. Ende des 19. Jahrhunderts richtete Pater Paulus von Loë OP (1866-1919) im Düsseldorfer Kloster zudem die sogenannte Thomas-Bibliothek ein, eine wertvolle Sammlung mittelalterlicher Handschriften und Frühdrucke, die 1934 zusammen mit der Verlegung des Generalstudiums nach Walberberg bei Brühl überführt wurde und sich seit 2007 in der Dom- und Diözesanbibliothek Köln befindet. Als Ordenshistoriker rief von Loë auch die erste wissenschaftliche Reihe der 1895 wiedergegründeten Dominikanerprovinz Teutonia ins Leben, die "Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland", die seit 1992 im Berliner Akademie-Verlag erscheinen.

Da die Düsseldorfer Räumlichkeiten jedoch bald nicht mehr ausreichten, um alle Ordensstudenten unterzubringen, und sie anscheinend auch nicht mehr den zeitgenössischen Vorstellungen eines von der Außenwelt möglichst abgeschiedenen Studienbetriebs entsprachen, wurde seit 1913 nach alternativen Orten für das Generalstudium gesucht; doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte zunächst die Ausführung. 1924 erwarb die deutsche Ordensprovinz die Rheindorfer Burg in Walberberg bei Brühl. Sie wurde in den folgenden Jahren weiter ausgebaut, so dass 1926 zunächst die Studenten der drei unteren Jahrgänge, die sich dem philosophischen Studium widmeten, und im November 1934 schließlich auch die vier theologischen Jahrgänge von Düsseldorf nach Walberberg umziehen konnten. Nachdem 1929 bereits das Noviziat nach Warburg verlegt worden war, verlor der Düsseldorfer Konvent damit seinen Status als Ausbildungshaus der deutschen Ordensprovinz. Die frei gewordenen Räumlichkeiten wurden fortan als Exerzitienhaus genutzt bzw. vermietet.

Seelsorgekonvent und Provinzialat
Als Seelsorger genossen die Dominikaner bei der Düsseldorfer Bevölkerung von Anfang an hohes Ansehen. Große Sympathien erwarben sie sich auch, als sie erstmals im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und später auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg ihr Kloster als Lazarett zur Verfügung stellten. Die Kommunität nahm dafür jedesmal erhebliche Einschränkungen auf sich. Weit über das Rheinland hinaus war Pater Heinrich Pflugbeil OP (1844-1909) bekannt, der als glühender Marienverehrer die Rosenkranzbruderschaft des Ordens leitete und den "Marienpsalter", eine spirituelle Zeitschrift der deutschen Dominikanerprovinz, herausgab. Auch er hätte wegen der bedrückenden Atmosphäre, wie sie in den ersten Jahren im Düsseldorfer Kloster herrschte, den Orden beinahe wieder verlassen. In Düsseldorf wurde er besonders wegen seiner ansprechenden Predigten geschätzt. Auch die Predigten von Pater Dominikus Scheer OP (1830-1907), der nach dem Kulturkampf zum ersten Oberen des wiederrichteten Düsseldorfer Klosters eingesetzt wurde, waren bei der Bevölkerung sehr beliebt. Scheer war gegen Ende des Kulturkampf heimlich nach Düsseldorf zurückgekehrt und hatte zunächst die Schwestern am Annastift in der Altstadt seelsorglich betreut. Auf einen Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie wirkten Scheers Predigten so überzeugend, dass er später sogar in den Orden eintrat: Pater Lukas (Eduard) Knackfuß OP (1855-1945) hat nicht nur mehrere Dominikanerkirchen in Deutschland künstlerisch ausgestaltet, sondern 1932 auch ein Buch mit dem Titel "Mein Weg zur Klosterpforte" veröffentlicht, das in katholischen Kreisen populär wurde.

Aufgrund der wachsenden Eintrittszahlen konnte 1895 endlich die deutsche Dominikanerprovinz Teutonia wiederrichtet werden. Das Düsseldorfer Kloster wurde zum Sitz des Provinzials bestimmt. Von Düsseldorf aus verrichteten die Provinzoberen also ihre Amtsgeschäfte, bis Pater Laurentius M. Siemer OP (1888-1956) 1932 das Provinzialat nach Köln verlegte. Wie die Einträge im Gästebuch dokumentieren, besuchten in dieser Zeit auch höhergestellte Persönlichkeiten, oft Mitglieder der katholischen Zentrumspartei, das Kloster an der Herzogstraße: Am 9. August 1931 war beispielsweise Altreichskanzler Wilhelm Marx bei den Dominikanern zu Gast. Nach der Verlegung des Provinzialats nach Köln und des Generalstudiums nach Walberberg wurde es im Düsseldorfer Kloster zwar erst einmal etwas ruhiger, aber die Dominikaner hatten als Seelsorger weiterhin eine wichtige Bedeutung für die Stadt. Es waren eher die politischen Veränderungen, die das Düsseldorfer Kloster in Schwierigkeiten brachten.

"Drittes Reich" und Zweiter Weltkrieg
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde von den meisten Konventualen mit Skepsis betrachtet, auch wenn das Klosterleben von den politischen Ereignissen zunächst weitgehend unberührt blieb. Im April 1935 wurde dann ein Mitglied des Düsseldorfer Klosters, Pater Thomas M. Stuhlweißenburg OP (1881-1935), überraschend verhaftet. Stuhlweißenburg war zweimal Provinzial der deutschen Ordensprovinz gewesen (1920-1924 und 1928-1932). Zusammen mit seinem Nachfolger, Laurentius Siemer, und Pater Titus Horten OP (1882-1936), der für die dominikanische Mission in China zuständig war, wurde er beschuldigt, gegen die Devisengesetzgebung des "Dritten Reichs" verstoßen zu haben. Am 31. Januar 1936 wurden die drei Dominikaner zwar in zweiter Instanz freigesprochen, aber Siemer war der einzige, der die Haft lebend verließ. Stuhlweißenburg hatte sich, stark zuckerkrank und den psychischen Belastungen der Haft nicht gewachsen, noch vor Beginn der ersten Gerichtsverhandlung in seiner Zelle erhängt, und Horten war sechs Tage vor dem Berufungsverfahren an einem akuten Herzleiden gestorben, das der Gefängnisarzt nicht richtig behandelt hatte. Während die deutsche Exilpresse vermutete, dass Stuhlweißenburg ermordet worden sei, versuchten die Düsseldorfer Dominikaner, den tragischen Suizid zu verheimlichen. Doch die Nachricht verbreitete sich schnell in der Stadt, und zu der Beerdigung des hochangesehenen Paters kamen so viele Menschen, dass die 2500 Totenbildchen nicht ausreichten und 4000 neugedruckt werden mußten, wie die Chronik berichtet.

Im September 1943 kam es im Kloster zu erneuten Verhaftungen. Diesmal wurde der Prior des Düsseldorfer Klosters, Pater Placidus M. Wehbrink OP (1899-1967), zusammen mit einer befreundeten Familie und dem französischen Dominikanerpater Alexandre Morelli inhaftiert. Sie waren denunziert worden, englische Rundfunksendungen, also einen verbotenen "Feindsender", gehört zu haben. Dies lag insofern nahe, als Wehbrink in Dublin studiert und nach seiner Rückkehr zunächst als Englischlehrer am Ordenskolleg in Vechta unterrichtet hatte. Nachdem "die Gestapo in geradezu diabolischer Weise" von allen Angeklagten "Geständnisse erpreßt bzw. erschlichen hatte", wie der Provinzial in seinen Erinnerungen schreibt, widerriefen sie bei der Gerichtsverhandlung ihre Geständnisse wieder. Während Wehbrink und die Düsseldorfer Familie schließlich wieder freigelassen wurden, blieb Pater Morelli in "Schutzhaft" und wurde schließlich in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er 1945 die Befreiung durch die Amerikaner erlebte.

Die Räumlichkeiten des Düsseldorfer Klosters dienten in diesen Jahren des Zweiten Weltkriegs erneut als Lazarett. Nach und nach wurden alle jüngeren Mitbrüder, die nicht durch eine Stelle in der Pfarrseelsorge geschützt waren, zum Militär- bzw. Sanitätsdienst eingezogen; die anderen halfen bei der Pflege der verwundeten Soldaten mit und wurden dabei von einigen Ordensschwestern unterstützt, insbesondere von vertriebenen Dominikanerinnen aus Luxemburg, deren Kloster von der Gestapo beschlagnahmt worden war. Nachdem 1941 auch die Dominikanerkonvente in Köln und Walberberg "staatlich sichergestellt", also ebenfalls beschlagnahmt worden waren, wuchs auch bei den Düsseldorfer Dominikanern die Sorge, ihr Kloster an der Herzogstraße verlassen zu müssen. Um die wertvolle Bibliothek sowohl vor dem Zugriff der Gestapo als auch vor den zunehmenden Bombardierungen zu schützen, wurden daher die meisten Bücher bei Freunden und Bekannten des Klosters ausgelagert. Die meisten Bücher überstanden dadurch unbeschadet die folgenden Kriegsjahre. Dagegen wurde in der Nacht vom 10. auf den 11. September 1942 die Klosterkirche von Brandbomben getroffen. Auch die Sakristei brannte aus, aber sie konnte zumindest provisorisch als Gottesdienstraum genutzt werden. Am 11. Juni und am 3. November 1943 wurde auch das Klostergebäude schwer beschädigt. Als eines der letzten Kriegsopfer in Düsseldorf wurde am 28. März 1945, also kurz vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen, Pater Willehad M. Hermes OP (1884-1945), der in der nahen Pfarrkirche St. Peter noch eine Messe feiern wollte, von einem Granatsplitter tödlich getroffen.

Der Aufbruch der Nachkriegszeit
Als Düsseldorf am 17. April 1945 endgültig von amerikanischen Truppen befreit wurde, lebten im Düsseldorfer Dominikanerkloster nur noch vier Patres. Ein weiterer Mitbruder hatte im Krieg eine Kaplansstelle an St. Anna im linksrheinischen Niederkassel angenommen und war dort untergebracht. Noch am selben Tag wurden Pater Urban M. Plotzke OP (1906-1983), der seit Jahren wegen seiner regimekritischen Predigten bekannt, aber erstaunlicherweise nie verhaftet worden war, und der Pfarrer von St. Martin in Bilk in die amerikanische Kommandantur bestellt, um einen möglichen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters zu benennen. Sie schlugen den langjährigen Stadtkämmerer Dr. Wilhelm Füllenbach (1887-1948) vor, der zum ersten Düsseldorfer Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg ernannt wurde.

Die Dominikaner bemühten sich, in den ersten Nachkriegsjahren Orientierung und Halt zu geben. Pater Urban Plotzke predigte beispielsweise im November 1945 zu "Fragen christlicher Lebens- und Gesellschaftsordnung". Im Februar 1946 wurde mit einer ersten Vortragsreihe über "Kräfte des Wiederaufbaus" das Dominikanische Bildungswerk (später Dominikanisches Bildungswerk Meister Eckhart) gegründet, das seitdem mehrmals im Jahr zu öffentlichen Vorträgen ins Kloster einlädt und als eines der ältesten katholischen Bildungseinrichtungen der Stadt gelten kann. Besondere Bedeutung kam in den ersten Nachkriegsjahren auch der Kirchenmusik zu. Im Thomassaal des Dominikanerklosters befand sich im Gegensatz zu den meisten anderen kirchlichen Gebäuden in Düsseldorf, die mehr oder weniger zerstört waren, eine Orgel. Im Oktober 1945 wurde die Konzertreihe "Geistliche Musik" gegründet, die den Zuhörern die Möglichkeit bieten sollte, dem tristen Alltag in den Trümmern zumindest für kurze Zeit zu entkommen.

Auch praktisch galt es der Bevölkerung zu helfen: So organisierte der neue Prior des Klosters, Pater Gundisalv Drees OP (1909-1984), schon im Sommer 1945 mehr als 70 Zentner Kartoffeln, die an Hilfsbedürftige verteilt wurden. Als tatkräftiger und äußerst durchsetzungsfähiger Hausoberer trieb Drees, der schon bald den doppeldeutigen Spitznamen "Zementprior" erhielt, auch den Wiederaufbau der Kirche und Klosters zügig voran, so dass schon am 19. Februar 1950 die wiederhergestellte Kirche neu eingeweiht werden konnte. Der Innenraum war beim Wiederaufbau erheblich verändert und dem neuen Zeitgeschmack angepaßt worden: Der Chorraum wurde beispielsweise um mehrere Stufen angehoben, und Pater Wolfram Plotzke OP (1907-1954), ein leiblicher Bruder von Pater Urban, ersetzte die historistische Ausstattung durch eigene künstlerische Arbeiten. Er schuf neue Altargemälde für die Seitenaltäre und malte auch ein Marienbild für die 1952 eingeweihte Fatimakapelle des Klosters, die erste der Jungfrau von Fatima gewidmete Kapelle in der Erzdiözese Köln. Im Konvent befand sich seit den fünfziger Jahren zugleich das Sekretariat für den "Lebendigen Rosenkranz", um in der katholischen Bevölkerung das Rosenkranzgebet zu fördern. Pater Donatus Hoffmann OP (1901-1989) und Pater Andreas Hack OP (1910-1983) hielten zu diesem Zweck in der ganzen Bundesrepublik religiöse Wochen und Predigten.

Im Düsseldorfer Kloster hatte seit 1951 auch die Redaktion der Zeitschrift "Der Gottesfreund", einer religiösen Monatsschrift, ihren Sitz. Sie zeichnete sich durch ausgezeichnete Abbildungen aus. 1970 wurde sie eingestellt. Ein anderes Periodikum des Ordens, die 1960 gegründete theologische Zeitschrift "Wort und Antwort", existiert dagegen bis heute; auch ihr Redaktionssitz lag zeitweilig in Düsseldorf.

Von 1950-1971 beherbergte das Düsseldorfer Kloster außerdem die so genannte "Schola Sancti Dominici", ein Internat für junge Männer, die an einer Düsseldorfer Schule oder am erzbischöflichen Abendgymnasium in Neuß ihr Abitur nachholten, um studieren zu können. Freilich wurde auch damit keine dauerhafte Lösung gefunden, um die vielen Räume des Klosters, die seit dem Umzug des Ordensstudiums nach Walberberg eigentlich nicht mehr notwendig waren, sinnvoll zu nutzen. Auch zeichnete sich in den sechziger Jahren mehr und mehr ab, dass die nach dem Krieg teils nur provisorisch und mit beschränkten Mitteln wiederhergestellten Gebäude dringend erneuert werden mußten. Allein die zur Substanzerhaltung notwendigen Baumaßnahmen hätten rund eine Million D-Mark gekostet, wie das Gutachten eines herangezogenen Architekten ergab. Pläne für einen Neubau des Klosters wurden ebenfalls aus Kostengründen verworfen. Schließlich fiel die Entscheidung, Kirche und Kloster an der Herzogstraße aufzugeben und eine bestehende Kirche in der Düsseldorfer Innenstadt zu übernehmen. Das Grundstück wurde an die Girozentrale, die spätere Westdeutsche Landesbank, verkauft; mit dem Erlös konnten für alle Mitglieder der Ordensprovinz eine (bis dahin nicht bestehende) Kranken- und Rentenversicherung abgeschlossen werden. Der letzte Gottesdienst in der alten Klosterkirche fand am 26. Dezember 1972 statt; danach wurden Kloster und Kirche abgerissen. An Denkmalschutz und den Erhalt eines neugotischen Kirchengebäudes dachte damals so gut wie niemand.

Neubeginn an St. Andreas
Noch vor der Aufgabe des alten Klosters an der Herzogstraße übernahmen die Dominikaner bereits die Seelsorge an der ehemaligen Hof- und Jesuitenkirche St. Andreas in der Düsseldorfer Altstadt. Pater Werner Poh OP (1933-1993), der am Görres-Gymnasium als Lehrer tätig war, zog schon im März 1972 in das Pfarrhaus von St. Andreas ein und übernahm den Dienst an der Gemeinde. Die übrigen Mitbruder zogen erst ein Jahr später, im März 1973, in die Andreasstraße um, nachdem die Umbauarbeiten des früheren Pfarrhauses weitgehend abgeschlossen waren. Seitdem befindet sich das Düsseldorfer Dominikanerkloster gegenüber der Andreaskirche, umgeben von Kneipen und Restaurants, in guter Nachbarschaft von "Tante Anna" und dem Bestattungshaus Salm. Auch wenn die Mitbrüder an unterschiedlichen Orten seelsorglich tätig sind - ob als Gefängnisseelsorger oder Ansprechpartner in der City-Pastoral, als Pfarrvikar an St. Lambertus oder als Kaplan in Ober- und Niederkassel -, sind uns die Menschen in und um der Andreaskirche besonders wichtig. Unter dem Priorat von Pater Emmanuel Renz (1928-2006) wurde daher 1991 zusammen mit zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern das Projekt "St. Andreas - Offene Kirche der Dominikaner" ins Leben gerufen.

P. Elias H. Füllenbach OP